Diese CD hat es nicht ganz leicht, da sie bei vielen Tango-Lehrern oft für Unterrichtszwecke eingesetzt wird - dabei mit Vorliebe und aus gutem Grund in Anfängerkursen. So hängt ihr mancherorts (oder bei manchen Tanzenden) ein leichtes Geschmäckle von "Anfänger- und Übungsmusik" an. Der späte Di Sarli zeichnet sich besonders durch ruhige Interpretationen mit dennoch klarem und kräftigem Rhythmus aus. Dabei setzt er die Violinen höchst romantisch als Melodie-Instrumente ein und passt die Harmonien dementsprechend an. Allerdings hat man bei Di Sarli auch das Gefühl, dass er das Bandoneón nicht wriklich braucht, es dient ihm lediglich als Harmonie- und Rhythmusinstrument. Gerade das macht aber auch den Reiz aus, der im Laufe eines Tanzabends für Abwechslung sorgt. Dazu kommen so unglaublich schön eingespielte Titel wie "Organito de la Tarde", "El Amanecer", "Mi Refugio", "El Once", "Don Juan" oder "A la Gran Muneca", um nur ein paar zu nennen. Die Sarli bietet die Möglichkeit, nach rassigen Milongas etwas weniger hektisch anzuschließen, ohne wirklich abzufallen. Denn trotz aller Anfängererfahrungen gehört für mich eine gehörige Portion Konzentration mit dazu, um Di Sarli auch schön nach der Musik zu tanzen. Daher ist er meiner Ansicht nach nicht unbedingt die erste Wahl für den Einstieg in den Abend, außer man möchte den Übenden entgegenkommen.
Tangodanza 02/2007 - Aus "Basisedition für DJs", Folge 3
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